Fachbeitrag
Eigensicherung bei aggressiven Situationen: Warum Abstand Leben schützen kann
Deeskalation fragt häufig: „Was sage ich?“ Mindestens genauso wichtig ist: „Wo stehe ich?“

Deeskalation beschäftigt sich häufig mit der Frage: „Was sage ich?“
Mindestens genauso wichtig ist aber: „Wo stehe ich?“
In einer angespannten oder aggressiven Situation können Abstand, Position und Umgebung entscheidend dafür sein, welche Handlungsmöglichkeiten noch vorhanden sind.
Eigensicherung beginnt deshalb lange vor einem körperlichen Angriff.
Abstand schafft Handlungsmöglichkeiten
Wer einer aggressiven Person sehr nah gegenübersteht, hat weniger Zeit zu reagieren.
Das klingt selbstverständlich.
In der Praxis passiert es trotzdem schnell.
Ein Gespräch beginnt normal. Die Person kommt näher. Der Mitarbeiter bleibt stehen. Noch einen Schritt. Noch einen. Plötzlich ist die Distanz sehr klein.
Deshalb sollte Abstand bewusst wahrgenommen und gegebenenfalls frühzeitig wiederhergestellt werden.
Lassen Sie sich nicht ungünstig positionieren
Eine weitere wichtige Frage lautet: Kann ich mich bewegen?
Wer mit dem Rücken zur Wand steht oder sich in einen engen Bereich drängen lässt, verliert Möglichkeiten.
Auch Schreibtische, Möbel, Türen und Flure beeinflussen eine Situation.
Professionelle Eigensicherung bedeutet deshalb, nicht nur die Person, sondern auch den Raum wahrzunehmen.
Fluchtmöglichkeiten sind kein Zeichen von Schwäche
In manchen Köpfen existiert noch die Vorstellung: „Ich darf jetzt nicht zurückweichen.“
Doch eine berufliche Konfliktsituation ist kein Wettbewerb.
Wenn Abstand oder Rückzug die Sicherheit erhöhen, kann genau das die professionelle Entscheidung sein.
Es geht nicht darum, einen Machtkampf zu gewinnen.
Es geht darum, eine gefährliche Eskalation möglichst zu verhindern.
Hände und Gegenstände wahrnehmen
Nicht nur das Gesicht eines Menschen ist relevant.
Was macht die Person mit ihren Händen? Greift sie plötzlich in eine Tasche? Nimmt sie einen Gegenstand auf? Befinden sich Gegenstände in unmittelbarer Nähe, die bei einer Eskalation gefährlich werden könnten?
Auch hier gilt: Nicht jede Bewegung bedeutet Gefahr.
Aber Mitarbeiter sollten Veränderungen wahrnehmen können.
Wann hole ich Unterstützung?
Ein häufiger Fehler ist, zu lange allein weiterzumachen.
Vielleicht möchte man die Situation selbst lösen. Vielleicht will man Kollegen nicht unnötig alarmieren. Oder man denkt: „So schlimm ist es noch nicht.“
Professionelle Eigensicherung bedeutet aber auch, Unterstützung rechtzeitig zu organisieren.
Nicht erst, wenn der Angriff bereits begonnen hat.
Organisationen müssen Eigensicherung ermöglichen
Mitarbeiter können nur so sicher handeln, wie es ihre Arbeitsbedingungen zulassen.
Deshalb sollten Organisationen prüfen: Sind Alarmierungsmöglichkeiten vorhanden? Können Mitarbeiter Unterstützung erreichen? Sind Arbeitsplätze sinnvoll gestaltet? Gibt es klare Abläufe bei Bedrohungen? Wissen Mitarbeiter, wann sie ein Gespräch abbrechen dürfen? Was passiert nach einem Vorfall?
Eigensicherung ist deshalb nicht nur eine persönliche Fähigkeit.
Sie ist auch eine organisatorische Aufgabe.
Deeskalation und Selbstschutz gehören zusammen
Ein Mitarbeiter kann hervorragend kommunizieren und trotzdem angegriffen werden.
Deshalb darf Deeskalation nicht das falsche Gefühl vermitteln, mit den richtigen Worten ließe sich jede Gefahr verhindern.
Bei SAFE Aggressionsmanagement verbinden wir Kommunikation mit Situationswahrnehmung, Distanz, Positionierung, Risikoeinschätzung und klaren Handlungsentscheidungen.
Das Ziel ist nicht, Mitarbeiter ängstlich zu machen.
Das Ziel ist, ihnen mehr Handlungsmöglichkeiten zu geben.
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