Fachbeitrag
Drohungen richtig einschätzen: Wann aus Worten eine echte Gefahr werden kann
„Das wirst du noch bereuen.“ Solche Aussagen verunsichern. Nicht jede Drohung führt zu Gewalt — sie als heiße Luft abzutun, kann aber ebenfalls falsch sein.

„Das wirst du noch bereuen.“
„Ich weiß, wo du arbeitest.“
„Wenn ich hier nicht bekomme, was ich will, passiert was.“
Solche Aussagen können Mitarbeiter stark verunsichern.
Die Schwierigkeit: Nicht jede Drohung führt zu Gewalt.
Aber eine Drohung einfach als „heiße Luft“ abzutun, kann ebenfalls falsch sein.
Eine Drohung sollte nicht isoliert betrachtet werden
Entscheidend ist der Zusammenhang.
Wer droht? Was genau wird angekündigt? Wie konkret ist die Aussage? Gibt es einen erkennbaren Anlass? Hat die Person bereits früher Gewalt gezeigt? Verändert sich ihr Verhalten gerade? Hat sie Zugang zu möglichen Waffen? Kennt sie persönliche Informationen über den bedrohten Mitarbeiter?
Je mehr Informationen vorhanden sind, desto besser lässt sich die Situation einordnen.
Konkretheit macht einen Unterschied
Zwischen „Ihr seid doch alle verrückt hier!“ und „Wenn Sie heute um 18 Uhr rauskommen, warte ich auf dem Parkplatz“ besteht ein deutlicher Unterschied.
Je konkreter eine Drohung in Bezug auf Person, Handlung, Ort oder Zeitpunkt wird, desto ernster muss sie geprüft werden.
Das bedeutet trotzdem nicht, dass man aus einem einzelnen Satz zuverlässig vorhersagen kann, was passieren wird.
Deshalb braucht es eine strukturierte Einschätzung.
Verhalten beobachten – nicht nur Worte
Manche Menschen reden laut und aggressiv, ohne körperlich zu werden.
Andere werden kurz vor einer gefährlichen Handlung plötzlich ungewöhnlich ruhig.
Deshalb darf Risikoeinschätzung nicht nur darauf beruhen, wie laut jemand ist.
Achten Sie auf Veränderungen. Wie verhält sich die Person? Versucht sie Distanz zu verringern? Sucht sie nach bestimmten Personen? Beobachtet sie Zugänge oder Ausgänge? Greift sie nach Gegenständen? Folgt sie einem Mitarbeiter?
Solche Informationen können für die weitere Bewertung wichtig sein.
Drohungen dokumentieren
Nach einem Vorfall verschwimmen Erinnerungen schnell.
Deshalb sollten relevante Drohungen möglichst zeitnah und sachlich dokumentiert werden.
Was wurde möglichst genau gesagt? Wann? Wo? Wer war dabei? Was geschah unmittelbar davor und danach? Gab es weitere Auffälligkeiten?
Eine gute Dokumentation hilft der Organisation und gegebenenfalls auch externen Stellen bei der Bewertung.
Mitarbeiter sollten solche Entscheidungen nicht allein tragen
Ein Mitarbeiter sollte nicht in der Situation sein: „Ich muss jetzt selbst entscheiden, ob dieser Mensch wirklich gefährlich ist.“
Organisationen brauchen klare Melde- und Entscheidungswege.
Wer wird informiert? Wer bewertet die Situation? Wann wird Sicherheitsdienst oder Polizei eingeschaltet? Welche Schutzmaßnahmen sind möglich?
Drohungsmanagement ist mehr als Bauchgefühl
Intuition kann ein Warnsignal sein.
Sie ersetzt aber keine strukturierte Betrachtung.
Bei SAFE Aggressionsmanagement vermitteln wir deshalb, wie Warnsignale wahrgenommen, Informationen zusammengetragen und Situationen systematischer eingeschätzt werden können.
Das Ziel ist weder Panik noch Verharmlosung.
Das Ziel ist eine angemessene Reaktion auf die tatsächliche Situation.
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Wie sieht das bei Ihnen aus?
Schildern Sie kurz Ihre Ausgangslage — Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, auch wenn ein anderer Weg besser passt.
